Seit Googles Ankündigung GoogleReader am 1. Juli 2013 in Rente zu schicken sind neue RSS-Sync-Dienste in aller Munde. Der zur Zeit am heißesten gehandelte Kandidat hört auf den Namen Fever. Fever ist ein kostenpflichtiges Script ($30 Lifetime Licence) welches auf einem eigenen Webserver gehostet werden muss, die alten Daten von Google können per Google-Checkout direkt übernommen werden. Der in der iOS-Welt recht populäre Feedreader Reeder beherrscht seit dem neuen Update auch den Feever-Sync Dienst, so können auf dem iPhone auch die Feeds von Fever gelesen werden.
Wer nicht gleich $30 für einen neuen Sync-Dienst ausgeben möchte, aber noch Kapazitäten auf dem eigenen Webserver hat, der sollte sich selfoss näher anschauen. selfoss ist, wie Fever auch, ein Webscript, welches auf PHP und MYSQL (oder MYSQL-Lite) basiert. Einmal auf dem Webserver installiert, klappert das Script die eingetragenen RSS-Feeds ab und legt neue Nachrichten in den Eingang. Voraussetzung dafür ist die neueste Version von PHP, sowie eine aktuelle MYSQL (oder MYSQL-Lite) Datenbank. Cronjobs sind nicht unbedingt Voraussetzung, aber durchaus praktisch, da so der Refresh nicht manuel getätigt werden muss.
Installation
Die Installation von selfoss geht sehr leicht von der Hand, das zugehörige Package kann hier heruntergeladen werden. Sollte der Webserver das eigenständige Entpacken von *.zip Dateien nicht unterstützen, so muss das Package noch vor dem Hochladen entpackt werden. Beim Upload ist darauf zu achten, dass auch die versteckte .htaccess Datei mit hochgeladen wird, ansonsten kann es später zu nicht unerheblichen Komplikationen kommen. Sind die Files hochgeladen, so muss man noch den Ordnern “Public” und “Data”, sowie allen Unterordnern von “Data” Schreibrechte 775 geben. Bevor man mit der eigentlichen Installation beginnen kann muss noch eine Datenbank angelegt werden, ich werde die Vorgehensweise hier exemplarisch an einer bereits erstellten MYSQL-Datenbank erklären. Nachdem die MYSQL-Datenbank angelegt ist, muss ein “config.ini” File erstellt werden, der Inhalt davon sieht aus wie folgt:
[globals]
db_type=mysql
db_host=localhost
db_database=HIER DEN DATENBANKNAMEN EINTRAGEN
db_username=HIER DEN USERNAME DER DATENBANK EINTRAGEN
db_password=HIER DAS PASSWORT DER DATENBANK EINTRAGEN
db_port=3306
selfoss ist jetzt noch OHNE Login konfiguriert, möchte man Login-Daten mit einem Passwort hinzufügen, so geschieht das durch folgende Einträge in der “config.ini”:
username=BENUTZERNAME
password=PASSWORT
Soll der Service für die Öffentlichkeit zugänglich sein, aber die Einstellungen dürfen nicht verändert werden, sprich ein Read-Only Mode, so kann man für username und password jeweils den Wert 1 vergeben. Die “config.ini” wird jetzt in die oberste Ordnerstruktur der Installation auf dem Webserver hochgeladen. Wenn alle Daten richtig eingetragen worden sind, so läuft jetzt selfoss jetzt – natürlich noch ohne Feeds.
Feeds abonnieren & Google Checkout
Die Feedlist von GoogleReader kann komfortabel per Google Checkout exportiert werden. Das exportierte *.zip File von Google muss noch extrahiert werden, das darin enthaltene *.xml File kann dann wiederum durch Klick auf die Wolke in der link unteren Bildschirmecke von selfoss komfortabel importiert werden. Die ehemaligen Ordner von GoogleReader werden von selfoss als Tags dargestellt. Natürlich können die einzelnen Feed-URLs auch manuell eingegeben werden.
Updatefunktion per Cronjob und manuell
Da selfoss rein auf PHP basiert bringt es den Nachteil mit sich, dass es sich nicht automatisch selbst auslösen kann. Dafür muss ein Cronjob definiert werden, je nach Lesegewohnheit sollte hier der richtige Intervall gewählt werden, denkbar wäre z.B. den Cronjob nur tagsüber jede 15 min. von 07.00 bis 01.00 Uhr auslösen zu lassen. Wenn der eigene Provider keine Cronjobs zulässt, so kann man sich auf cronjobs.de extern Cronjobs generieren lassen. Wer keinen Cronjob erstellen will, der kann auch den Updateprozess manuell auslösen. Ein Refreshbutton fehlt zur Zeit leider in der UI von selfoss noch.
Readability Funktion in selfoss nachrüsten
selfoss bringt von Haus aus Support für Readability mit. Die Funktion muss jedoch im Nachhinein erst durch die Eingabe des Readability API Tokens aktiviert werden. Voraussetzung dafür ist ein kostenloser Readability Account. Ist dieser erstellt, so kann unter “My Account” unter readability.com der API Token abgerufen werden. Der Nachteil besteht allerdings darin, dass jedem Feed einzeln beigebracht werden muss, dass er mit Readability geparsed werden soll. Man navigiert also wieder auf die abonnierten Feeds und gibt dort unter Einstellungen an, dass es sich um einen Readability Feed handelt, darunter muss dann der API Token von Readability eingegeben werden.
Plattformen
Bisher ist selfoss eine reine Webanwendung, es gibt noch keine Programme für Desktop-Rechner, welche sich direkt mit selfoss verbinden lassen. Auch auf mobilen Geräten gibt es bisher noch keine Apps, weder auf iOS, noch auf Android. Das Design von selfoss ist allerdings responsiv gehalten, die Ansicht passt sich somit auf mobile Endgeräte an. Im Test schlug sich selfoss sehr gut auf iPhone und iPad – eine App wäre allerdings wünschenswert, um beispielsweise den “Öffnen In” Dialog auf dem iPhone und iPad nutzen zu können, sodass man Artikel an Drittanbieter wie Pocket oder Instapaper direkt und ohne Umweg über das Kopieren des Links übergeben kann. Auch in der Hinsicht auf das Vor- und Nachladen von Artikeln wäre eine App mehr als wünschenswert.
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Spouts
Durch sogenannte “Spouts” können auch andere Webquellen, wie zum Beispiel Tweets oder Facebook-Posts in selfoss gesynct werden. Damit lässt sich der RSS-Reader individuell erweitern und den eigenen Bedürfnissen anpassen. Wer nicht mit den vorgefertigten Spouts zurechtkommt, der kann entweder selbst welche programmieren (fork selfoss on GitHub) oder sie nach den eigenen Wünschen anpassen.
Fazit
selfoss ist ein sehr vielversprechendes Projekt. Die Software ist komplett Open-Source und kann auf GitHub gerne gerforked werden. Das Script läuft bei mir sehr stabil und auch recht flott, lediglich der manuelle Refresh läuft nicht ganz so performant, da man das aber eigentlich auch per Cronjob lösen soll, bekommt man vom Refreshbefehl auch gänzlich wenig mit. Durch die Möglichkeit, dass man die eigenen Scripte in selfoss mit einhängen kann, ist der RSS-Reader sehr gut erweiterbar. Die UI könnte allerdings noch eine Überarbeitung vertragen, die meisten Optionen und Einstellungen sind nur direkt im Code änderbar und so meist nur umständlich (per FTP-Client) zu erreichen – wünschenswert wäre hier eine Überarbeitung der UI, sodass die häufig genutzten Befehle auch grafisch eingebunden werden; Stichwort: Refreshbutton. selfoss läuft bei mir seit ca. fünf Tagen und ich kann bisher nicht klagen, aller Anfang ist zwar schwer und bis man sich in die Materie eingearbeitet hat, dauert es seine Zeit, die hohe Performanz und die Möglichkeit der individuellen Erweiterbarkeit machen das aber wieder wett. Wer sich nach der Bekanntgabe der GoogleReader Schließung vor den Kopf gestoßen fühlt und nicht sofort $30 für Feever ausgeben will, sowie am Anfang auf native iPhone/iPad Apps verzichten kann, der kommt aktuell im selfoss nicht herum.




Wie oben auf dem Screenshot zu sehen, kann man direkt mehrere Videos (*.flv Dateien) auswählen, von welchen dann nacheinander die Tonspur extrahiert und als *.mp3 gespeichert wird. Somit steht dem Offline-Musikgenuss auf dem Mac oder iPod/Phone/Pad nichts mehr im Wege.